Indian Chief Vintage 2026 – mit einer Ikone ins Jubiläumsjahr

Wie ließe sich ein 125-jähriges Markenjubiläum besser feiern als mit einer Hommage an eines der schönsten Modelle der Motorradgeschichte? Eine Chief gilt dank ihres opulenten Designs mit den markant tiefen und geschwungenen Schutzblechen als eine Art-déco-Ikone. Auch technisch war der größere Motor damals den Scout-Modellen überlegen, weswegen eine Chief nicht nur schön anzuschauen ist, sondern auch als langlebiges und zuverlässiges Reisemotorrad gilt.

Design: Proportion, Proportion, Proportion

Die neuzeitliche Chief Vintage 2026 ist kein futuristisches Experiment, sondern eine tiefe Verbeugung vor der Ära der 1940er-Jahre, die Head of Industrial Design Ola Stenegärd mit Team-Lead Mike Song (bereits seit Victory-Zeiten in Minneapolis tätig) auf die Beine gestellt hat. Getreu dem Design-Mantra „Proportion ist alles“ ist die Linienführung des Rahmens zusammen mit den dominanten Schutzblechen (übrigens aus einem Stück 1,4 mm Blech tiefgezogen) sowie weiteren Design-Elementen wie dem tropfenförmigen Tank, dem schwebenden Solo-Sitz, einem ausladenden Lenker, minimalistischen Instrumenten und der beleuchteten Head-Dress-Figur das stilgebende Element der neuen Chief Vintage.

Antrieb: Luftgekühlter Brummmer

Der Motor basiert auf dem 116 Cubic-Inch Thunderstroke (1.890 ccm), der als eines der wohl letzten luftgekühlten Aggregate gilt. Mit 156 Nm Drehmoment schiebt die Maschine schon in untersten Drehzahlbereichen kräftig an und dreht im Sport-Modus gut hoch, sodass man mit ihr auch durchaus flott fahren kann. Zumal ein schmaler 150er Hinterradreifen (130 vorne, Metzeler Cruisetec®) auf den 16-Zoll-Rädern bei immerhin 327 Kilogramm Fahrgewicht das Gefährt unerwartet agil durch das spanische Hinterland cruisen lässt. Das obligatorische Fußbrett-Schleifen ist, wie auch bei der BMW R18, als mechanisches Schräglagen-Messverfahren ab Werk integriert. Kuppeln und durch die sechs Gänge schalten funktioniert geschmeidig; sogar der Leerlauf ist leichter zu finden als bei den Challenger-Getrieben.

Ein rundes 4-Zoll-Touchdisplay, das klassisch als Instrument mit runderneuerter „Ride Command+“-Software wirkt, aber Navigation und Smartphone-Konnektivität bietet, findet nun auch im Outback Kartenmaterial und ist leicht zu bedienen. Drei Fahrmodi (Tour, Standard, Sport) sorgen für Abwechslung. Tempomat, Keyless Ignition und die hintere Zylinderabschaltung (für weniger Hitze im Stadtverkehr) sind serienmäßig an Bord. Erhältlich ist die Chief Vintage in Schwarz und dem wieder auferstandenen Original Indian-Red-Farbton für 20.990,– Euro.

Purismus im Vintage-Style

Die Indian Chief Vintage ist kein Motorrad für Statistik-Liebhaber, sondern für Puristen. Sie ist eine „Fahrmaschine“ im wahrsten Sinne des Wortes – ohne Windschild, ohne Koffer (die natürlich bald im Zubehör-Laden zu finden sind), reduziert auf das Wesentliche. Der Pfannen-Solo-Sitz ist überraschend komfortabel, obwohl er nur mit Dämmmaterialien gefedert ist. Bei 1,90 Meter Körpergröße sind die Knie sportlich angewinkelt, und mit langen Armen sitzt man entweder in coolster Rückenlage oder mit Muskelkater am abendlichen Glasgriff. Aber letztlich ist den guten Leuten aus Minneapolis ein toller Wurf gelungen.

Ausblick auf weitere 125 Jahre

Mit so einem Hommage-Modell kann das Jubiläumsjahr gut starten. Wir sind gespannt, wie sich die neu gewonnene Eigenständigkeit der Marke durch den Polaris-Verkauf an die Private-Equity-Investmentgruppe Carolwood LP aus Los Angeles entwickelt. Mit dem Branchenveteranen Mike Kennedy als CEO (27 Jahre bei Harley-Davidson und vier bei Vance & Hines) ist diese Position auf jeden Fall bestens neu besetzt worden.

Die europäischen Händler wurden bei der Präsentation des Bikes vor Ort von Kennedy in direkten Gesprächen „abgeholt“ und die Stimmung unter den Indian-Leuten ist „freudig ausblickend motiviert“.  So sollte auch nach der aktuellen Mitarbeiter-Rosskur auf etwa 900 Personen in den verbleibenden Werken Spirit Lake (Iowa), Monticello (Minnesota) und dem Technologie- und Designzentrum in Burgdorf (Schweiz) die Motivation anhalten. Der Stolz, für diese sich in den letzten Jahren cool entwickelte Marke arbeiten zu dürfen, ist jedenfalls allen Mitarbeitern bei der Veranstaltung anzumerken. Wir freuen uns auf weitere Jubiläumsmodelle und Aufeinandertreffen im Laufe des Jahres!

 

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BRUMMM M.C.

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