Marvic Wheels, Brunello (Varese)

Zu Besuch bei Marvic Wheels, Brunello (Varese)

Auf der Jagd nach mehr Leistung und Performance brachten Anfang der 70er Jahre die Firmen Campagnolo und Morris fast zeitgleich ihre ersten extrem leichten Felgen aus Magnesium in den Motorrad-Rennsport ein. Beide Hersteller fertigten ihre Räder aus einem Guss, die Italiener mit fünf während die amerikanischen Morris mit sieben Speichen konstruiert waren. Die meist golden lackierten Räder waren bei vielen Ducatis,Yamahas und Suzukis zu sehen und fielen sofort ins Auge.

Die entscheidenden Vorteile des Erdkalimetalls Magnesium für die Nutzung im Rennsport liegen in der niedrigen Dichte von rund 1,8 g/ccm sowie der guten Gieß- und Verarbeitungsmöglichkeiten. Obwohl mechanische Eigenschaften und Elastizität des preiswerteren Aluminiums und -legierungen teils deutlich höher gemessen werden können, ergeben sich für Magnesium dennoch meist höhere spezifische Eigenschaften, die die Nutzung in diesem Gebiet interessant machen. So ist es kaum verwunderlich, dass beim Rundgang in der lombardischen Produktionsstätte immer wieder sehr bekannte Automobil-Markennamen auf Gußformen und -werkzeugen gekritzelt zu sehen sind – auch wenn diese Marken dies ungern an die große Glocke hängen. Aber schließlich gibt es bei Marvic eine Menge Erfahrung in Guss-Verfahren – genauer gesagt seit 1954, als die Gründer mit dem Gießen von Aluminium begonnen, später aufs Sandguss-Verfahren spezialisierten und sich heute als mittelständischer Partner für Prototypenbau und Kleinserien in Automobil- und Luftfahrt-Produktion präsentieren.

Der Name Marvic tauchte erstmals im Motorrad-Rennsport auf, als Fahrer wie Eddie Lawson Randy Mamola, Kevin Schwantz, Carlos Lavado oder Christian Sarron die Motorrad-Weltmeisterschaften dominierten. Zur Saison 1983 nämlich entwickelte der kleine Betrieb aus der Provinz Varese sein eigenes 17 Zoll Magnesiumrad mit nur drei Speichen – ‘Streamline’ getauft – auf denen einige Gewinnermaschinen dieser Ära durchs Ziel rollten. Ducatis TT1 und F1-Werksmaschinen waren später ebenso mit den schnittigen Rädern ausgestattet und verhalfen Walter Villa, Walter Cussigh, Tony Rutter, Marco Lucchinelli und Kollegen zu gelegentlichen Erfolgen gegen die japanische Vierzylinder-Übermacht. Seit dem ist Marvic speziell bei Freunden italienischer Sportmotorrädern ein Begriff.

Heute beinhaltet neben verschiedener Aluminium- und Magnesium-Räder für zeitgemäße Sportmotorräder das Produktangebot speziell für Liebhaber älterer Fahrzeuge einige Spezialitäten. So sind die im Design unverändert aber mit moderner Technik hergestellten Streamline-Räder, die bereits erwähnten fünf-Speichen-Campagnolos sowie die mit zwei Speichen mehr gefertigten Morris-Wheels wieder (in verschiedenen Größen und Farben) als Replicas erhältlich. Hierzulande sind die Räder übrigens durch Vertriebspartner Rüdiger Kämna (www.kaemna.de) zu importieren.

Auch Freunde vierrädriger Perlen sind seit einigen Jahren im Focus der Norditaliener: Mit ihrer Produktserie ‘HRC’ (Historic Racing Car Wheels) sind Felgen im Portfolio, die gerade bei hochpreisigen Rennwagen wie z.B. Bizzarrini, Lancia, Alfa Romeo, Lola, De Tomaso, bzw. deren gesuchten Original-Felgen eine gute und sichere Option für Renn- oder Showzwecke bieten. Ein nicht unwichtiger Nachteil von Magnesium-Räder ist die leider begrenzte Lebenszeit von nur wenigen Jahren – die auf Kosten der Sicherheit jedenfalls nicht außer Acht gelassen sein sollte. Inhaber Pierluigi Sturla und sein Team bieten aber metallographische Kontrollen an, um sicher zu stellen, dass zumindest nur die Material- und nicht Fahreralterung Grund für etwaige Unfälle sein kann. Außerdem, fügt Silvia Framba, verantwortlich für Marketing, können und haben sie in Vergangenheit einige spezielle Felgen, Motorenteile oder auch Drittanbieter-Produkte in Kleinserien produziert, die entweder per 3-D Scann identisch reproduziert oder gar komplett neu im Hause konstruiert werden können. Je schwieriger desto lieber, fügt sie hinzu und lächelt dabei charmant. Diese Spezialisierung scheint aufzugehen, denn angeblich sind die Auftragsbücher gut gefüllt.

Weitere Infos finden Sie auf der Unternehmenswebsite:

Marvic Wheels Srl

Via Gallarate 4 – 21020 Brunello (VA)

Tel. +39-0332 463386

web: www.marvic.it

email: info@marvic.it

Hermann Köpf
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