Yoshimura Werksbesichtigung, Japan

YOSHIMURA JAPAN Co, Ltd.

Ihre legendären Superbike-Erfolge haben Gründer Hideo „Pop“ und sein Sohn Fujio YOSHIMURA geschickt zur Expansion ihrer Firma genutzt. Mittlerweile bieten sie seit mehr als sechs Jahrzehnten hochwertige Aftermarket-Produkte an. Beim Besuch in der aus allen Nähten platzenden Produktionsstätte verriet uns Firmenchef Fujio Yoshimura zwar nicht das Geheimnis des perfekten Auspuffsystems, schwelgte dafür aber mit Begeisterung in den guten alten Rennzeiten.

Die Kantine scheint das eigentliche Herz der Firma Yoshimura zu sein. Die Mitarbeiter kommen hier in ihren weißen Arbeitsoveralls nicht nur zum gemeinsamen Essen zusammen, auch den Besuchern werden dort die wichtigsten Trophäen aus der über sechzigjährigen Firmengeschichte unprätentiös, aber dennoch wirkungsvoll präsentiert. Zwar gibt es im Eingangsbereich des Gebäudes einen kleinen Showroom, hier im ersten Stock ist allerdings dank der vielen Pokale, Urkunden, einige der Sieger-Maschinen, Fotos von Wes Cooley, Graeme Crosby, Kevin Schwantz mit Kollegen – und natürlich von „Pop“ Hideo Yoshimura, dem sagenumwobenen Tüftler, Tuner und Gründer der Yoshimura Japan Co. Ltd., die eindrucksvolle Renngeschichte zum Greifen nahe. Yoshimura ist den meisten Kradisten als Auspuff-Experte ein Begriff, zumindest sind dies die Verkaufsschlager des mittelständischen Unternehmens in der Präfektur Kanagawa, rund eine Autostunde südwestlich von Tokio entfernt, mit der das Land Baden-Württemberg übrigens eine langjährige Partnerschaft pflegt. Fujio Yoshimura, der Sohn des 1995 an Krebs verstorbenen Pop und 2000 in die Motorcycle Hall of Fame auf genommenen Übervaters, leitet das Stammwerk mit seinen rund 60 Mitarbeitern seit 1989 und hat die Produkt- und Marketingpalette stetig erweitert. Ein „Research & Development“ (Produktions-) Werk betreiben sie seit 1975 im sonnigen Kalifornien mit rund 130 Mitarbeiten, sind in Supercross-, Superbike- und Endurance-Serien mit eigenen Rennteams aktiv und stellen darüber hinaus seit Jahrzehnten das Suzuki-Superbike-Werksteam.

„Unsere größten Erfolge feierten wir, als in den siebziger Jahren die amerikanische AMA Superbike- Serie ins Leben gerufen wurde. Mein Vater war während des Krieges Flugzeugmechaniker und hat danach Motoren der amerikanischen Soldaten für Motorrad- Rennen getunt und sich einen Namen gemacht“, erzählt Fujio und zeigt uns im Programmheft der 1972er „200 Meilen von Daytona“ Fotos der von Pop und dem deutsch-stämmigen Mechaniker Ronnie Krause getunten Honda CR 750, mit Gary Fisher im Sattel. Als diese großvolumigen Japan-Vierzylinder auf den Markt kamen, sahen Vater und Sohn nämlich im amerikanischen Markt große Verkaufsmöglichkeiten. Sie zogen nach Los Angeles und eröffneten in North Hollywood eine kleine Werkstatt. Ihre damalige Honda-Connection erweiterten sie mit einer Kawasaki-Kooperation, als sie eine brandneue 900 Z1 für die „FIM Daytona Speed-Records“ im März 1973 präparierten und mit Yvon Duhamel mehrere Rekorde an einem Tag und damit einen Marketingcoup sowohl für Kawasaki also auch für die eigene Marke einfuhren. Mit der Veröffentlichung der GS 750 im Jahr 1977 und dem Erkennen des großen Potenzials der Maschine begann schließlich die andauernde Kooperation mit Suzuki. „Daytona 1979 und 1980 zu gewinnen, war für uns das Größte“, sagt Fujio und zeigt dabei auf Fotos von Ron Pierce, Wes Cooley und David Emde, wie sie mit den ersten drei Plätzen das Siegertreppchen dominierten – jeder auf auf einer Yoshimuragetunten Suzuki GS 1000.

Nach diesen prestigeträchtigen Rennerfolgen konzentrieren sie sich in den Folgejahren verstärkt auf wirtschaftliche Belange ihrer Firma und erweitern ihre Produktpalette um Tuning- und Zubehörteile, Race- Kits für Serienmaschinen sowie eigene Kleinserien von exklusiven, getunten Komplettmotorrädern (Katana, GSX-R 1000 und Hayabusa). Die enge Suzuki-Kooperation bietet ihnen als eigenständiges Werksteam an neuesten Entwicklungen teilzuhaben und diese in hausinterner Rennabteilung zu optimieren.

Diese Abteilung dürfen wir leider nicht betreten, selbst die angebotene Kamera-Verwahrung öffnet uns keine Türe. Dafür aber wird zu unserem Fototermin eigens das aktuelle GSX-R 1000 L5-Superbike neben der 1986er GSX-R 750, seinerzeit von Kevin Schwantz gefahren, aufgestellt. Teammanager Yohei Kato und Firmenchef Fujio Yoshimura präsentieren sich vor der Sponsorenwand mit stolz geschwellter Brust (siehe MO-Titel). Beim Gang durch die mittlerweile viel zu kleine Produktionshalle – teilweise mit relativ alten Maschinen zugestellt – spürt man deutlich, dass hier seit Jahrzehnten sehr effektiv und sauber gearbeitet wird. Alles ist fein und säuberlich für die Arbeiter und ihre Planer in Kisten sortiert und beschriftet – jahrelang optimierte Ab läufe dank ISO 9001? Zwar sind keine deutschen Herstellernamen im Maschinenpark zu finden, und obwohl der Werkschef selbige Qualität ausdrücklich lobt, fügt er sogleich schmunzelnd hinzu „aber japanische Qualität ist noch besser“, und zeigt uns eine gerade von Hand perfekt geschweißte Abschlusskappe eines Slip-On-Endtopfes. In der Tat, die Schweißer bei Yoshimura haben ein ruhiges Händchen, Auspuff-Schweißnähte oder mackenlos gebogene Titan-Krümmerrohre sind perfekt verbunden. „I’ve Got The Power“ dürfen die Mitarbeiter hier auf dem Rücken aufgedruckt tragen. Obwohl Japaner ansonsten als sehr zurückhaltend gelten, tun sie das augenscheinlich sehr gerne. Gemeinsam sind sie stark und geben ihr Bestes für ein perfektes Produkt. In BWLDeutsch nennt man das wahrscheinlich „ausgeprägte Motivation der Mitarbeiter durch starke Unternehmensidentifikation“. Oder so ähnlich.

„Unsere Kunden denken oft, wir wären ein großes Unternehmen – dabei sind wir ein kleiner Familienbetrieb und fertigen in Handarbeit“, erklärt uns Fujio auf dem Weg in die Packstation, wo seine Produkte – immer mit weißen Handschuhen behandelt – nochmal gesäubert und in schwarze mit Goldfolien-Spruch „Yoshimura – special racing parts“ bedruckte Kartons verpackt werden, bevor sie auf die große Reise geschickt werden. Exklusive Produkte sollten auch entsprechend betreut werden, und so bietet der Hersteller seinen Kunden eine lebenslange Garantie auf seine Auspuffe an, die immer wieder zur Revision und Unfallbehebung eingeschickt werden können, um Design und Funktion optimal aufrecht zu erhalten. Auf die Frage, was das Geheimnis eines opti malen Auspuffsystems sei, weicht er lachend aus und fügt hinzu: „Natürlich führen viele unserer Auspuffe zu Leistungssteigerungen, aber für die meisten Kunden geht es um Design und Sound. Jedes Land hat mittlerweile seine eigenen Vorschriften, weswegen sich die Leistungssteigerungen in Grenzen halten.“ Aber dafür gibt es ja noch erleichterte Nockenwellen, optimierte Vergaser und Kolben im Programm, falls dem Hobby-Racer die Standardleistung seines Renners unzureichend erscheint und Aftermarket-Produkte aus dem Katalog bestellt werden.

Zum Schluss unserer Werksbesichtigung durchqueren wir schließlich noch einmal die Werkskantine, wo gerade zum Mittagessen eingedeckt wird, und schmunzeln über den Reiskocher, der gerade neben all den plattgestandenen GSXen abgestellt wird. Auch hier wird schließlich nur mit Wasser gekocht, wenngleich die Produkte zweifelsohne von sehr hoher Qualität sind und Kunden in aller Welt erfreuen.

 

Website: www.yoshimura-jp.com

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