Auerberg Klassik Bergrennen

Historischer Motorsport am Auerberg

1. Auerberg Klassik 2017, 16. & 17. September 2017

Das ehemalige Auerbergrennen im südbayerischen Bernbeuren wurde vor 30 Jahren zum letzten mal durchgeführt, bis sich im vorigen Jahr eine Gruppe ortsansässiger Motorradfreunde einen Ruck gab, ein Revival zu organisieren. Unser Autor ist einer der Veranstalter und berichtet in diesem Artikel, wie es dazu kam und wie die Veranstaltung verlief.

Für den kleinen Ort Bernbeuren war das ehemalige Auerbergrennen, das zwischen 1967-87 von einer Renngemeinschaft der Motorsportclubs Kaufbeuren, Marktoberdorf und Schongau durchgeführt wurde, ein großes Ereignis. Hunderte Fahrer und tausende Besucher kamen selbst aus den angrenzenden Ländern zur einzigartigen Strecke an den Auerberg, um packenden Motorsport zu sehen. Samstags fuhren Motorräder und am Sonntag Automobile die 3 Kilometer lange Strecke auf den 1.055 Meter hohen Schwäbischen Rigi, bis vor genau 30 Jahren ein letztes mal die Startflagge geschwungen wurde.

Vor gut einem Jahr bereits begannen unsere Vorbereitungen für eine Wiederbelebung des Auerbergrennens. Bei unserer ersten Kontaktaufnahme beim zuständigen Landratsamt winkte die semi-begeisterte Sachbearbeiterin aber erst einmal mit den Worten ab „warum sollte ich eine Motorsportveranstaltung am Auerberg diesmal genehmigen, wenn ich zuvor schon 17 mal abgesagt habe?“– „Weil wir das bessere Konzept haben!“ konterte unser Schatzmeister Jürgen Zillenbiehler gekonnt. Und so war es am Ende auch. Nach vielen Gesprächen und Verhandlungen mit Landwirten, Polizei, Feuerwehr, Vereinen und Anwohnern erhielten wir schließlich im März die schriftliche Genehmigung mit allen erdenklichen Auflagen.

Als der erste Veranstaltungsmorgen näher rückte und die Wettervorhersagen immer schlechter, waren wir bestens vorbereitet und auch nicht durch 8 Grad Celsius und Dauerregen aus der Ruhe zu bringen. Das Fahrerlager war proppe voll mit tollen Maschinen und noch tolleren Fahrern und Fahrerinnen. Gestartet wurde in sechs Wertungsklassen, mit den ältesten Fahrzeugen zuerst, Seitenwagen fuhren als letzte Gruppe. Nach dem zweiten Trainingslauf blinzelte nachmittags schließlich sogar die Sonne hervor und so nahm der erste Trainingstag ein gutgelauntes Ende, der bei einer Abendveranstaltung mit Buffet und Livemusik in der Gemeindehalle nebenan bis spät nachts andauerte.

Als am Sonntag morgen der erste Wertungslauf vom Österreicher Gernot Schuh auf einer 1925er Moto Guzzi C4V eröffnet wurde – übrigens auf den Tag genau 50 Jahre nach dem ersten Auerbergrennen! – waren alle Wetter- und Zuschauersorgen vergessen. Im 45 Sekunden Takt startete eine Rarität nach der anderen: Cotton Python, Scott Squirrel, Calthorpe Bradshaw und Ivory Sport, James A4 Super Sports, Standard BT 500, Norton Inter, Rudge Ulster, NSU Bullus, BMW R5 – um nur einige zu nennen, gefolgt von Renn- und Straßenmaschinen bis Baujahr 1979. Ein breit gefächerter und gut funktionierender Mix aus Maschinen und Fahrern, größtenteils rennerfahren, aber auch Benzin getriebene Neulinge und Lokalhelden, die Rennatmosphäre schnuppern wollten.

Nach dem ersten Lauf wurde wieder wie bereits am Tag zuvor gemeinsam im Gasthof auf dem Auerberg Mittag gegessen. Dann gings wieder runter ins Dorf, um sich für den zweiten Wertungslauf zu positionieren. Schon von Weitem war eine riesige Menschentraube zu erkennen, die den Wartebereich entlang zum Start pilgerte. So hatten wir uns das in unseren Träumen erhofft! Nicht nur wir Veranstalter sondern auch viele Fahrer waren vollkommen begeistert, bei einem Oldtimer-Rennen so viele Zuschauer, teils auch in stilechter Kleidung zu sehen! Von da an war in den Gesichtern eine unglaubliche Freude zu sehen: viele Zuschauer fühlten sich in ihre Jugend zurückversetzt und freuten sich so nah am Geschehen sein zu können. Als wir Veranstalter dann noch über Funk vom überfüllten Marktplatz erfuhren, auf dem wir ein Oldtimer-Treffen für Autos und Motorräder organisierten und dazu noch rare Ausstellungsfahrzeuge des BMW Museums München und Motorsportmuseum Hockenheimring zeigen konnten, war für uns die Welt wieder in Ordnung – bis wegen eines Sturzes des Österreichers Christian Nachbaur in der Skiliftkurve ein Rettungshubschrauber geordert werden musste, es auch noch kurz darauf am Gipfel sogar hagelte sowie entlang der Strecke Starkregen einsetzte. Dramatische Momente. Glücklicherweise waren die Verletzungen nicht lebensbedrohlich (Rippenbrüche, Schulter, Milzanriss) und so konnte die Strecke nach 20 Minuten Unterbrechung wieder durch unserem Rennleiter Christian Natzeder und ‘Coco’ Unterreiner freigegeben werden.

Am Ende waren es 7.000 Zuschauer, die zu unserer Erstveranstaltung kamen. 350 Helfer hatten wir das Wochenende über im Einsatz und die monatelangen Vorbereitungen haben sich mehr als gelohnt. Zwar nicht finanziell, aber in den vielen dankenden und anerkennenden Worte durch Besucher und Fahrer. Die Euphorie und Begeisterung, die das ganze Wochenende über im kleinen Dorf am Auerberg herrschte, war unglaublich. Und so ist es für uns Veranstalter eine Selbstverständlichkeit, dass wir die ‘Auerberg Klassik Tage’ fortführen werden. In welchem Turnus entscheiden wir, nachdem etliche Nachbesprechungen geführt wurden, unter anderem mit der Dame vom Landratsamt. Dann werden wir sehen, ob Absage #18 oder Fortführung auf unbestimmte Zeit.

Gesamtsieger und somit Bergkönig 2017 wurde übrigens der aus Immenstadt stammende Ali Kaba auf einer Honda CBX 1000 (der bereits in den 1980er Jahren am Auerberg-Start war!) mit einer unglaublich geringen Zeitdifferenz aus den beiden Wertungsläufen von 0,07 Sekunden. Anni Wakolbinger aus Österreich wurde Siegerin der Damenwertung, gefolgt von Erika Stadler und Marion Bender.

Weitere Informationen zur Veranstaltung und Ergebnisse gibt es unter www.auerberg-klassik.de zu finden.

Veranstalter:

Auerberg Klassik e.V.
Feldhofweg 2a
86975 Bernbeuren
info@auerberg-klassik.de
www.auerberg-klassik.de

Fotos: Hermann Köpf

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Hermann Köpf
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